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Donnerstag, 30. April 2015

Die Augen der Männer - Fritz Langs Maschinenmensch Maria

Metropolis
In Rezensionen zum in Deutschland gerade angelaufenen Film „Ex Machina“ von Alex Garland wird oft an frühere Filmbeispiele von Roboter- oder Cyberfrauen referiert, unter anderem an den Maschinenmenschen Maria aus Fritz Langs „Metropolis“ (1927).


Zur Erinnerung hier die Tanzszene Marias (aus der rekonstruierten Langfassung von 2011). Sie könnte auch heißen: "Die Augen der Männer":




Die zweieinhalbstündige Rekonstruktion der Langfassung von "Metropolis" steht übrigens komplett auf Youtube.

Mittwoch, 29. April 2015

Schmidtchen Schleicher: Holländische Schlagerkunst für deutsche Ohren

Gestern fiel mir auf einmal ein Schlager wieder ein, der unbedingt einen Platz in der Jukebox von Café Deutschland verdient hat: „Schmidtchen Schleicher“ (1976) von Nico Haak.


Die niederländische Originalversion hieß Foxy Foxtrot“ (1975). Die von Nico Haak selbst gesungene deutsche Version ist mir aber aus verständlichen Gründen viel lieber. Sie hat sowas Elastisches. Hört selbst:




Dienstag, 28. April 2015

Britta Thie: Transatlantics – Ein digitales Kammerspiel

Vor drei Jahren war mir Britta Thie aufgefallen, als Model & More. Jetzt zeigt sie, in Zusammenarbeit mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt, ihre Video-Reflexionen zur Generation 89. Sie stellt ihr neues Werk „Transatlantics“ als Web-Serie digital aus, ab heute.

Aus der Einführung auf der Website der Schirn Kunsthalle:

“Translantics, ein digitales Kammerspiel eingebettet ins Netz, erzählt die Geschichte von drei jungen Frauen in Form einer Web–Serie. Translantics handelt vom Vorspulen, Umschalten zwischen Städten, Ländern, Sprachen, Jobs, Lebensphasen, Gefühlen und Partnern. Die drei Freundinnen bewegen sich in einem Freundeskreis aus internationalen Expats, überdreht und euphorisch, irgendwie alle gemeinsam globalisiert und doch gefangen in ihrem eigenen kulturellen System.”

Foto: The Artist (Britta Thie, 2015)
Neues Erzählen, minimalistisch und transmedial auf den Punkt gebracht: Das gefällt mir.

Hier geht's zum Video.


Montag, 27. April 2015

Bürgerbildungsburgen

Jetzt weiß ich, warum vor einer Woche die Villa Noelle in Berlin-Grunewald eine etwas unheimliche Anziehungskraft auf mich entwickelt hat: Sie muss mich unbewusst an mein altes Gymnasium in Leer-Ostfriesland erinnert haben, das heutige Ubbo-Emmius-Gymnasium.
 
Gymnasium für Jungen, Leer (heutiges Ubbo-Emmius-Gymnasium)
Auf einer Facebook-Seite für alte Leeraner traf ich jetzt dieses Bild meiner Schule an. Es ist, anders als sonst meist der Fall, von der Rückseite aus aufgenommen, vom Pausenhof her. Gerade deshalb zieht es sehr viele Kommentare auf sich, da man ja als Schüler jahrelang mehrmals täglich genau diesen Anblick vor sich hatte und aus dieser Perspektive die verschiedenen Funktionsräume wie Turnhalle, Aula und Kunstsaal gut identifizieren kann. Und der Schulhof mit seinem Schotterbelag ruft weitere schmerzhafte Erinnerungen auf. Und diese Pflanzen links im Vordergrund, die gab es, unter ein paar Bäumen, die den Übergang zum Sportplatz markierten. Waren das Disteln? Mein Gott! Ich habe diese Schule ab 1958 besucht und denke, dass das Foto aus den fünfziger Jahren stammt.

Es gibt in Berlin-Pankow eine ganz ähnliche Schule, noch ein Stock mehr, noch größer, noch breiter, noch prunkvoller, die im selben Jahr – 1909 – erbaut wurde: das heutige Carl-von-Ossietzky-Gymnasium.



Gemeinsam mit der Villa Noelle (erbaut 1912) ist diesen Gebäuden der in jener Zeit bereits hoffnungslos veraltete Neorenaissance-Stil, der offenbar als besonders geeignet galt, den Bildungswillen der Bürger zum Ausdruck zu bringen, die ihre Söhne und Töchter auf diese Anstalten schickten. Herr Noelle wollte gar in solch einem Bau wohnen.


Aber dieser Schotterplatz! Neun Jahre bin ich hier in den großen und kleinen Pausen hin- und hergerannt oder habe dort am Ende lässig im Kreis der Jungintellektuellen gestanden und bin dann doch jedesmal wieder brav in den finsteren Bau zurückmarschiert. Unbegreiflich!

Sonntag, 26. April 2015

Nachtrag zum Welt-Pinguin-Tag



Der Pinguin und der Papagei

Hallo Papagei, sagte der Pinguin.
Hallo Papagei, sagte der Papagei.
Nein, sagte der Pinguin, du musst Hallo Pinguin sagen.
Nein, sagte der Papagei, du musst Hallo Pinguin sagen.
Nein, sagte der Pinguin, ich bin ein Pinguin.
Nein, sagte der Papagei, ich bin ein Pinguin.
Du bist ein Papagei, sagte der Pinguin.
Du bist ein Papagei, sagte der Papagei.
Dummer Papagei, sagte der Pinguin.
Dummer Pinguin, sagte der Papagei.

Dieses Gedicht von Erik van Os in der grafischen Gestaltung von Hans Waanders hängt seit Jahrzehnten als Plakat in meinem Haus. Es ist in allerlei Formaten und Ausführungen erhältlich, unter anderem als Poesiepostkarte bei Plint. Ich habe mir erlaubt, eine deutsche Übersetzung anzufertigen.

Samstag, 25. April 2015

Erdöl! – Teil 9 meines Leserblogs zu Kopetzkys „Risiko“

“Noch nie in der Geschichte der Menschheit war so viel Petroleum auf einmal verbrannt worden. Ein Tank nach dem anderen explodierte und entzündete mit seiner Detonation weitere Tanks. (…)
Jedermann an Bord begriff das Unheimliche dieser Feuersbrunst, insbesondere Stichnote, der nach Wachablösung und dem Ende des Beschusses an Deck stand, den gelblich-dunklen Himmel studierte und an das Buch Auf zwei Planeten denken musste, in welchem das Verbrennen fossiler Energieträger als Frevelei und Schandtat bezeichnet wurde“ (Risiko, S. 354).

Es handelt sich hier um die Beschießung der Erdöltanks von Noworossijsk  am 29. Oktober 1914 durch den osmanisch-deutschen Kreuzer “Midilli’ (‘Breslau’) im Schwarzen Meer: Der Leser von Kopetzkys “Risiko” wird an dieser Stelle ein wenig sehr direkt mit der Nase auf die verborgene - wenngleich überdachende - Thematik des Romans gestubst, nämlich die geostrategische Rolle des Erdöls und die damit verbundenen Gefahren für Mensch und Umwelt.
Beschuss von Noworossijsk durch die 'Breslau', 1914.
Zeitgenössische türkische Postkarte 
Mit der Thematisierung des Öls verbindet Kopetzky sehr geschickt den Anfang des zwanzigsten mit dem Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts und zaubert damit aus seinem historischen Abenteuerroman einen höchst aktuellen Gegenwartsroman. Die Bedeutung von Kohle und Öl für Industrie und Kriegsführung wird uns in der Handlung fortwährend vorgeführt. Zur theoretischen Untermauerung erteilt der Autor noch über 25 Seiten hinweg einer hochinteressanten historischen Nebenfigur das Wort: Alexander Parvus. Dessen Ausführungen gipfeln in einer Prophezeiung:

“Aber nun ist ein neuer Stoff aufgetaucht, der die Kohle in den Schatten stellen wird. (…) Petroleum. Es gibt viel davon in Amerika, aber die größten Quellen liegen in Baku und gehören dem Zaren. Dann sind da die persischen Quellen, die heute schon von größter Bedeutung für das Britische Empire sind. Aber wir wissen, dass Petroleum in Mesopotamien von selbst zu Tage tritt. Die Quellen dort müssen unendlich sein. (…)
Das internationale Kapital (wird) das Osmanische Reich in tausend Stücke reißen und all seine Völker versklaven, um an das Petroleum zu kommen, das auf seinem Gebiet liegt“ (Risiko, S. 340).

Das "Große Spiel": Es ist viel konkreter gemeint, als es erst den Anschein hatte. Es geht nicht um ein abstraktes Strategiespiel, sondern um die Realitäten, die sich – dem Erdöl geschuldet - in den letzten hundert Jahren in dem riesigen Territorium zwischen der Türkei und Afghanistan beziehungsweise auf den fünftausend Kilometern der Niedermayer-Expedition zwischen Konstantinopel und Kabul, entwickelt haben.


Und eine Ironie hat die Geschichte auch: Damals sollte eine deutsche Expertentruppe den Dschihad nach Kabul tragen. Heute kommt der Dschihad aus der Region zu uns.